Reise

Whitsundays: Erwartungen über Erwartungen

Besucher übertreffen sich in ihren Lobreden und liefern die schönsten aller schönen Bilder – einige auf Fotos, anderen im Kopf. Do you believe in this Magic?

// Wer zu den Whitsundays fährt, sollte in eine gute Sonnenbrille und vor allem einen guten Anbieter investieren! Wir hatten mit letzterem leider nicht so viel Glück. Immer noch von unserem abenteuerlichen Bootstrip in Indonesien zehrend, haben wir auf die Dreitagestour mit einem Katamaran verzichtet und uns für einen Tagesausflug entschieden. Die Kataloge der unzähligen Anbieter überschlagen sich in den Beschreibungen ihrer Superlative – da kann man doch keine schlechte Wahl treffen, oder? Doch, man kann.

Wenn schon nicht so gut losgeht?

Wir sind mit einem Speedboot gefahren, das uns direkt an den Strand bringen kann, von dessen Bord man eine tolle 360 Grad Sicht haben soll, das eine Schnorcheltour an einem phantastischen Riff verspricht und dabei mit einem Team aufwartet, dass vor guter Laune nur so sprüht. Wenigstens das letzte Versprechen haben sie gehalten. Der Rest war leider mittelmäßig und dafür natürlich viel zu teuer.

Nach unserem Schnorchelausflug (die größten Fische haben wir im Hafenbecken gesehen) und unserer kurzen Durchfahrt am Hill Inlet (nein, wir sind nicht ausgestiegen, waren nicht am Lookout, haben keine Rochen und kleine Haie im Wasser gesehen…) war unsere Stimmung ernsthaft gefährdet. Am äußersten Ende von White Heaven Beach habe ich daher begonnen, mir über Erwartungen Gedanken zu machen.

Was wäre, wenn …

Was wäre, wenn wir nie vom dem Hill Inlet Ausblick erfahren hätten? Wenn wir nicht wüssten, welche Riffbewohner sich alle unter der Wasseroberfläche tummeln? Wenn wir einfach an diesem Strand „gestrandet“ wären? Wir wäre ausgerastet vor Freude über den Sand, der so weiß ist, dass er blendet und so fein, dass er beim Drüberlaufen quietscht. Wir wären ins türkisblaue Wasser gesprungen und hätten uns darin geaalt. Wir hätten die dicken Warane fotografiert, über die Witze der Crew gelacht und uns mitreißen lassen. Aber mit den Vergleichen im Kopf war es schwierig. Sie sind wie eine Schranke, die es zu passieren gilt. Wer vor den Vergleichen stehen bleibt, kommt nicht in den Genuss. Er bleibt draußen stehen und schaut nur sehnsüchtig auf das, was er nicht haben kann.

Zum Teil fängt der Unmut ja schon mit Kinkerlitzchen an: Sitzen wir auf der guten oder der weniger guten Seite des Bootes? Ist der ganze Trip optimal oder hätte es einen viel besseren für uns gegeben? Ab wann fangen Menschen an zu vergleichen und noch spannender, schlechte Laune aufzubauen, wenn sie das Gefühl haben, den kürzeren gezogen zu haben (Fakt ist ja, dass man ohne die anderen 20 Trips zu machen, gar keinen echten Vergleich ziehen kann!). Die Kinder an Board denken nicht darüber nach, ob dieses Boot das schnellste, beste, idealste für sie ist. Sie sind im hier und jetzt. Kurz: Sie vergleichen nicht. Wer daher die Vergleiche ausblendet, kommt vielleicht nicht bis zum Pool des Camping Platzes, aber kann die Schranke passieren und sich zumindest auf der schattigen Wiese ein ein kleines (aber vielleicht höllisch gutes) Stück vom Kuchen schmecken lassen.

Eigenes Fenster zur Welt

Wieder an Bord, habe ich daher versucht, meine Perspektive zu ändern. Unser Ausgangspunkt war vielleicht nicht der beste, aber es war einer. Es war unser Fenster zur Welt!

An Land, hat der Trip zwar noch etwas geschmerzt, aber schlussendlich hat die Erinnerung ihren gnädigen Schleier über alles gelegt. Auch hier kommt es daher, wie es scheint, mehr als alles andere auf die Perspektive an. Und die Moral von der Geschicht? Manche Erlebnisse brauchen Zeit. Sie lassen sich nicht mit einem Speedboot erobern, sondern brauchen einen gemächlichen Katamaran. Sie lassen sich nicht planen (wie unsere Schnorcheltour, die nach dem Prinzip falsche Zeit, falscher Ort ordentlich in die Hose gegangen ist), sondern erfordern es, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn auch wirklich ein Schopf da ist. Und sie lassen sich definitiv nicht einkaufen, sondern müssen selbst erlebt werden! Mit allen Sinnen – aber vor allem mit einem unvoreingenommenen Verstand! Wenn das kein Grund ist, zumindest an die Magie der Gedanken zu glauben!

 

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