Reise

Havanna – Fast eine Liebeserklärung

Fast eine Liebeserklärung

„Das T-Shirt, eng verschmolzen mit dem Körper, Adler kreisen über sozialistischer Architektur und sattem Grün, der Motor des Collectivos röhrt, Benzingeruch steigt in die Nase, links Alamar, am Horizont das Capitolio zwischen Baumwipfeln, Salz liegt in der Luft – Einzug nach Havanna“

Havanna weckt große Erwartungen: Ein Tor in eine andere Welt, ein Ausblick in die Vergangenheit und die Gegenwart eines Landes, das nach seinen ganz eigenen Regel spielt. Hier trifft die Nostalgie der Revolution auf die gelebte Erinnerung an Hemingway, genießt sich der Mojito zu Rhythmen des Son oder der Clamato im 53er Ford. Und nebenbei passiert das, was Kubaner Alltag nennen.

Habana vieja ist der Kern des touristischen Lebens. Keine Frage, wer in Cuba ist, muss sich einmal am Malecon die salzige Luft um die Nase wehen lassen, sich einmal von dem Glanz der alten Fassaden verzaubern lassen, muss einmal am Platz der Revolution die Größen der Vergangenheit bestaunen und natürlich mit etwas Glück in einer Bar des Vertrauens Mojito trinken, Domino Geklacker lauschen und einfach mal „rum-hängen“.

Aber wer abtauchen will, muss vorher auch tief Durchatmen. „Traue niemandem“, einen gut gemeinten Rat zu Beginn unserer Reise haben wir schnell abgetan. Zu freundlich sind die Menschen, zu hilfsbereit und zu ehrlich. Oder eben doch nicht? Havanna kann die Nerven auf eine harte Probe stellen. Wie in fast jedem touristischen Zentrum tummeln sich auch hier Verkäufer und Schlitzohren sämtlicher Art. Daher gilt „Ojo“, also Augen auf beim Eierkauf. Trotz aller mühsam erlernter Skepsis sind wir gerade hier geblendet von der xy leider viel zu leichtgläubig in die ein oder andere Touri-Falle getappt. Nichts, was sich nicht mit einem mäßig-tiefen Griff in das Portemonnaie beheben ließe, aber die Erkenntnis, dass auch in Havanna nicht alles freundlich ist, das lacht, schmerzt mehr als die 20 vergeudeten CUC. Als wäre der Hintergrund des zerfallenden Prunks, der schlussendlich tiefe Einblicke in das innerste der Häuser, der Wohnzimmer, Küchen und einfachen Behausungen der Habaneros zulässt ein Indiz dafür, dass es hier keine Fassade braucht, dass Menschlichkeit mehr zählt als das schnelle Geld, dass man sich hier noch aufeinander verlassen kann.

Dabei gibt es sie natürlich, die offenherzigen, wirklich spannenden Gespräch über Land und Leute, die persönlichen Einblicke in den Alltag und das System, jenseits des typischen Smalltalk über Essen und Sehenswürdigkeiten, der nur allzuschnell in ein Verkaufsgespräch über CDs, Zigarren und Taxifahrten ausartet (Link Magische Begegnungen). Nur nicht unbedingt ohne Weiteres in Havanna. Hier braucht es mehr, als ein Lächeln, als eine zufällige Begegnung, als ein Nebeneinander im Café. Auf der Suche nach einem Artikel des tägliches Gebrauchs kann es einem begegnen, wenn einen echte Hilfsbereitschaft in die Tiefen eines fast leerstehenden „Einkaufszentrums“ führt oder wenn ein Taxifahrer plötzlich mehr erzählt, als auf Nachfragen, was rechts und links auf dem Weg liegt. Dann ist er plötzlich da, der Zugang, die Verbindung zwischen Fremden, die fast magisch einen minikleinen Bogen schlägt zu dem, was wirklich zählt im Land und die die zahlreichen unschönen Begegnungen zu überbrücken versucht. Sie schafft es, dass man sich schlussendlich fast doch ein bisschen in la Habana verliebt.

Fazit:

Havanna erfüllt große Erwartungen: Ein Tor in eine andere Welt, ein Ausblick in die Vergangenheit und die Gegenwart eines Landes, das nach seinen ganz eigenen Regel spielt. Hier trifft die Nostalgie der Revolution auf die gelebte Erinnerung an Hemingway, genießt sich der Mojito zu Rhythmen des Son oder der Clamato im 53er Ford. Und nebenbei passiert das, was Kubaner Alltag nennen.

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